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Prediger-Rüstwoche mit Bibelarbeiten zum Buch Hiob

03.05.2022 18:51 Uhr
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Endlich konnte nach zwei Corona-Jahren wieder eine Prediger-Rüstwoche im Seminarzentrum Edersee in Asel stattfinden. In der letzten Aprilwoche kamen 12 Prediger und 5 Ehefrauen von Montag bis Freitag zu intensiven Tagen der Begegnung und zum gemeinsamen Hören auf Gottes Wort zusammen.

Den roten Faden durch diese Tage bildeten die Bibelarbeiten von Pfr. Dr. Hartmut Schmid aus Holzgerlingen zum Buch Hiob. In diesem Buch erleben wir, wie ein tiefgläubiger und rechtschaffener Mensch trotz seines Glaubens in unsägliches Leiden hineingerät. Dabei quält Hiob neben seinen körperlichen und seelischen Leiden besonders die Frage nach dem Grund für seine kaum zu ertragende Situation. Seine drei Freunde sind aus weiter Entfernung zu ihm gereist, um ihn zu beklagen und zu trösten. Obwohl sie zunächst sieben Tage mit Hiob schweigen, halten sie seine sich anschließende Klage nicht aus. Im Verlauf ihrer folgenden Gespräche versuchen sie Hiob davon zu überzeugen, dass eine besondere Schuld, die er auf sich geladen haben muss, der tiefste Grund für sein Leiden sei. Hiob soll sich als schuldig vor Gott bekennen und dann auf des Herren Hilfe hoffen.

Hiob ist sich allerdings nach bestem Wissen keiner besonderen Schuld vor Gott bewusst. Er wehrt sich gegen die zunehmenden Vorwürfe der Freunde und klagt seinerseits Gott an, ihn ohne erkennbaren Grund zu quälen und zu plagen. Bei aller Verzweiflung, in der Hiob nur noch zu sterben wünscht, scheint in seinen Worten an manchen Stellen dennoch eine gewisse Hoffnung auf einen Erlöser hindurch, der ihn wieder mit Gott versöhnen und vereinen wird.

Nachdem die langen Gespräche mit den Freunden über viele Kapitel ergebnislos enden und zum Unmut aller Beteiligten führen, erhebt plötzlich eine vierte Person ihre Stimme und versucht in den Fragen von Glaube, Leiden, Schuld und Anklage Hiobs Klarheit zu schaffen. Anders als bei den drei Freunden gibt es bei diesen Reden des Elihu keine Entgegnungen Hiobs mehr. An ihrem Ende ergreift schließlich Gott selbst das Wort und spricht Hiob ganz persönlich an. Er bezichtigt ihn keines Fehlverhaltens in der Vergangenheit, weist aber seine schweren Anklagen im Blick auf die Ungerechtigkeit Gottes souverän zurück. Hiob beugt sich schließlich vor Gott und bekennt sich in seiner Vermessenheit schuldig: „Ich hatte Dich nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge Dich gesehen“ (42,5).

Während Hiob von Gott gerechtfertigt und schließlich von seinem Leiden erlöst und wieder reich gesegnet wird, werden die drei Freunde Hiobs von Gott für ihr ungerechtfertigtes Reden zurecht gewiesen. Sie sollen Gott Opfer darbringen und Hiob, den treuen Knecht Gottes, um Fürbitte für sich selbst bitten. In 42,10 heißt es: „Und der HERR wandte das Geschick Hiobs, als er für seine Freunde Fürbitte tat.“

Pfr. Dr. Hartmut Schmid ist Dozent für Altes Testament an der Internationalen Hochschule Bad Liebenzell und Vorsitzender des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes (LGV). In seinen Bibelarbeiten kam zum Ausdruck, dass er sich persönlich und wissenschaftlich über viele Jahre mit dem Buch Hiob intensiv befasst hat. Er öffnete den Teilnehmenden das Buch Hiob als Lehrbuch der Seelsorge, in dem auch heutigen Christen gezeigt wird, wie man leidenden und angefochtetenen Menschen auf Augenhöhe begegnen und sie begleiten kann. Eine solche Begleitung eines Leidenden kann ein langer Weg sein. Im Sinne der Seelsorge kann es nur darum gehen, dem Leidenden beizustehen und mitzuhelfen, dass er selber Schritte geht, die ihn langsam wieder aus der Tiefe herausführen und zu neuem Vertrauen zu Gott führen können.

Neben den Bibelarbeiten verbachten wir die Tage in der Gemeinschaft untereinander. Besonders ermutigend war, in Daniel und Michelle Schock aus Bad Schwartau ein junges Ehepaar dabei zu haben. Daniel Schock stammt aus der lutherischen Brüdergemeinde und nimmt bereits vereinzelt Predigtdienste in der Gemeinde Lübeck wahr. An den Abenden tauschten wir uns über unterschiedliche Themen aus. Hartmut Schmid berichtete aus dem Liebenzeller Gemeinschaftsverband und uns bewegten auch Fragen der Zukunft unserer Gemeinschaftskreise. Wir konnten das gute Wetter während der Tage am Edersee genießen und fuhren nach dem abschließenden Abendmahlsgottesdienst beschenkt und erfüllt wieder nach Hause.